Julia Schoch: Der Körper des Salamanders.
Erzählungen.
Piper, 2001. 171 S.
Unter der Nebelwand
Rudertraining. Jeden Tag, bis die Mädchen im Kanu erschöpft zusammenbrechen.
"Die T-Shirts waren noch klamm, in den Schuhsohlen quietschte das Wasser vom Vortag. Ich besah meine Hände. Hier und da hatten sich bereits winzige Schuppen gebildet, die zu Schwimmhäuten werden konnten" Die Titelgeschichte des Erzählbandes von Julia Schoch ist so naß, daß das Wasser aus den Seiten fließt. Eine eigenartige Atmosphäre liegt über dem profanen Trainingsablauf in einer Art Sport-Kombinat irgendwo im Osten, endloses Einerlei. Die Steuerfrau des Ruderbootes läßt es über sich ergehen, bis sie absichtlich einen Unfall verursacht: "Ich sah: Das Boot lag mit dem Rumpf
nach oben, und unten im Wasser, unter der Nebelwand, saßen die Mädchen im
Boot wie ein Spiegelbild" Diese unwirkliche Atmosphäre, die am Ende nie aufgelöst wird, zieht sich
auch durch die anderen Erzählungen: Ein junges Paar in einer osteuropäischen Stadt erstellt Diagramme seiner Würfelspiele und versucht darin, die Gesetzmäßigkeiten des Universums zu entdecken. Beim Besuch einer ehemaligen Fischerei-Kooperative fährt die Protagonistin mit Herrn Zamfir in der Gegend herum und abends in der Kneipe warten alle auf das Froschfleisch. An der Schießbude begegnet ein Mädchen einem Soldaten und nimmt ihn mit nach Hause.
Was eigentlich passiert in diesen Geschichten, lässt sich schwer sagen. Das
Wichtige geschieht am Rande des Blickfelds: Versucht man, es direkt
anzusehen, entgleitet es im Schutz der Alltäglichkeiten auf dem Papier. Plaziert sind die Begebenheiten oft im Osten Deutschlands oder Europas. Julia Schoch (geboren 1974) kennt die Verhältnisse, sie wuchs laut Klappentext in einer "Kleinstadt im Nordosten Deutschlands" auf und hat unter anderem in Bukarest studiert. Die Mischung von Perspektivlosigkeit und Dahintreiben fängt sie wunderbar ein. Gestört wird der Rhythmus des Erzählten manchmal durch das intellektuelle Geschwätz der Figuren, die an diesen Stellen offensichtlich als Sprachrohr der Autorin herhalten müssen. "Denken Sie, daß die Demokratie eher eine Bewußtseinsfrage ist oder vom Sein
bestimmt wird?" muss sich Herr Zamfir fragen lassen. Aber darüber liest man schnell hinweg und versucht weiter, hinter das Geheimnis der Welt von Julia Schoch zu kommen. Es wird einem nicht gelingen. m. kurtz |

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