u-lit Literatur Magazin: start!
Nur wo E draufsteht...
Irvine Welsh:
Ecstasy

Irving Welsh:
Drecksau
Filth. Deutsch von Clara Drechsler/ Harald Hellmann, KiWi 1999, DM 28,00
Einen sehr guten Überblick zu Irvine Welsh - Leben und Bücher - bei: Andrew Crumey

Nick Hornby (Hg.): Speaking with the Angel
Stories von Irvine Welsh, Hornby, Roddy Doyle u.a.


Der Autor von "Trainspotting" mit seinem bisher wuchtigsten Brocken: Schmieriger, pornographischer, wütender, moralischer, lächerlicher als je. Über 456 S. treibt Welsh seinen Helden, einen korrrupten, über die Maßen kaputten Edinburgher Polizisten dem Ende entgegen. Was beginnt wie eine moderne Version des Hardboiled Polizeiromans, sprengt bald alle Genregrenzen: Elemente aus Splatter und Porno stehen neben Jeckyll und Hyde Motiven, Tripliteratur neben sozialem Realismus neben Serial-Killer Anleihen.

...schmieriger, pornographischer, wütender, moralischer, lächerlicher als je...

Angelegt ist das ganze düsterer als je zuvor: Kein Vergleich mit den netten Geschichtchen aus "Ecstasy". Es ist die Welt von Begbie, dem Schläger aus "Trainspotting", in der sich Inspektor Bruce Robinson bewegt, eine Welt voller Schmerz und Einsamkeit. Ständig voll auf Koks und Alkohol kennt seine Reise nur ein Ziel: die Selbstauflösung. "Filth", so der Originaltitel, ist Welsh´s Kanon des Schlechten, das düstere Gegenstück zum Raverparadies: Rassismus, Sexismus, Männlichkeitswahn, schlechte Drogen, schlechte Ernährung, Gewalt, Ausbeutung und Repression.

...das düstere Gegenstück zum Raverparadies...

Dabei allerdings überspannt Welsh den Bogen gehörig. Literarisch sein bestes Buch bisher war "Trainspotting". Die locker miteinander verwobenen Episoden, der Wechsel der Stimmen gaben seinen Figuren Luft zum Atmen.
In "Drecksau" dagegen wird zu viel auf eine Figur projiziert. Geradezu albern wirkt es, wenn in einem missglückten Versuch experimenteller Literatur über dem eigentlichen Text ein Bandwurm zu sprechen beginnt und dabei die psychologische Erläuterung der Hauptfigur liefert, frei nach dem Motto: Der Autor ist tot - es lebe der Bandwurm!

...der Autor ist tot - es lebe der Bandwurm!...
Oktober/`99 Weitere Rezensionen
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©u-lit Zuletzt geändert am 16.06.2001